Kunstraum und Raumkunst







Architektur für die Kunst: Kunsträume


Eine Kunstinstitution ist mehr als ein Gebäude – sie ist ein Resonanzraum. Um ihre wahre Funktion fotografisch einzufangen, muss man den Blickwinkel verschieben.  Es geht darum, die Funktion des Sammelns, Bewahrens und Sichtbarmachens von Kunst allein durch die gestaltete Darstellung des Kunstraumes zu kommunizieren.

Die Überbetonung neutraler, weißer oder hellgrauer Wände und Böden (der sogenannte White Cube) signalisiert z. B. die bewusste Unterordnung der Architektur zugunsten des zu sammelnden und auszustellenden Objekts. Diese visuelle Zurückhaltung schafft den idealen, ablenkungsfreien Rahmen für Kunst. Auch das Sichtbarmachen der Lichtgestaltung kann die Funktion solcher Architektur offenbaren:  diffuse Oberlichter oder sorgfältig positionierte, schmale Fensterbugen... Dieses kontrollierte, sanfte Licht gewährleistet die ideale Sichtbarkeit der Werke und erfüllt zugleich die konservatorischen Anforderungen zum Schutz wertvoller Sammlungen. Ebenso vermittelt die Darstellung massiver, klarer Baukörper, hoher Decken und weitläufiger, ununterbrochener Wände Dauerhaftigkeit und Wertigkeit der Institution. Diese monumentale Geometrie suggeriert, dass es sich um einen Ort der kulturellen Bedeutung und der dauerhaften Bewahrung von Kunstschätzen handelt. Selbst das Aufzeigen von langen Fluchten, weiten Korridore oder einer strikten Symmetrie im Innenraum lenkt in manchen Bildern den Blick auf die Architektur als disziplinierendes Element, das die Funktion der geordneten Präsentation und Reflexion des Gesammelten unterstreicht.

Da sich die jeweiligen Gebäude auf Grund ihrer sehr unterschiedlichen Exponate, aber auch der individuellen Ansichten und Vorlieben ihrer Bauherren und Architekten oft deutlich voneinander unterscheiden, erfordert es eine präzise und einfühlsame Analyse der Räume sowie eine den Charakteristika der Institutionen entsprechende angemessene Wahl der fotografischen Gestaltungsmöglichkeiten, um die zugrunde liegenden Funktionen solcher Räume zu respektieren und sichtbar zu machen. Nur selten lasse ich mich von der beeindruckenden Wirkung mancher Gebäude dazu verleiten, meine subjektive Sicht mit bisweilen zu viel Phantasie zu veranschaulichen. (Siehe unten: 'Raumkunst')





































































































































































































Experimentelle Aneignung von Räumen: Raumkunst


Bei diesem Projekt werden architektonische Strukturen zu Rohmaterial für mehr oder weniger abstrakte, eigenständige Kunstwerke. Diese Transformation löst den Raum von seinen primären Funktionen und betont stattdessen formale und farbliche Qualitäten.

Durch die Abstraktion des Raumes wird seine fotografische Interpretation in eine Reihe mit anderen Gattungen der bildenden Kunst gestellt. Das Werk spiegelt nicht mehr nur die objektive Bauweise, sondern auch die subjektive Sicht des Künstlers wider. Es sind nicht die Absichten des Architekten, die hier zählen, sondern die des Fotografen. 

So kann z. B. die durch digitale Bearbeitung manipulierte Farbe die räumliche Wahrnehmung überlagern, sodass der Raum nicht mehr nur als solcher, sondern auch als eine Ansammlung von Farbflächen und -übergängen wahrgenommen wird.  ​Auch die radikale Wahl des Ausschnitts kann ein wichtiger Schritt im Prozess der Abstraktion werden. Indem nur ein winziger Teil der architektonischen Struktur – ein Eck, eine Kante, ein Detail – isoliert oder wiederholt wird, verliert das Fragment seine architektonische Lesbarkeit und wird zu einer reinen Formstudie. Es fordert den Betrachter auf, nicht "Was ist das?" zu fragen, sondern "Was sehe ich?". Das Bild wird zu einem autonomen visuellen Statement, einem eigenständigen Kunstwerk mit einer eigenen inneren Logik, die sich über die Regeln der Architekturfotografie hinwegsetzt und die Grenzen des Mediums erweitert.

Diese Art der Fotografie beweist, dass die Kamera nicht nur ein Aufzeichnungsgerät, sondern ein mächtiges Instrument zur Schaffung neuer visueller Realitäten ist, in denen der gebaute Raum zu einer Materie für rein künstlerische Formfindungen wird, meiner sogenannten Raumkunst.